Andre Heer Metallplastik

Ordnung der Kräfte

 

Das sensible, stetig bedrohte und immer wieder neu zu findende

Gleichgewicht ist das Thema von Andre Heers Arbeiten. Jede einzelne

Plastik ist eine Einladung, über die Verteilung der Kräfte in uns, in

unserer Gesellschaft und in unserer Umwelt nachzudenken. Alle

Kunstwerke konfrontieren den Betrachtenden mit dem Anspruch des

Künstlers, seine Arbeit als Spiegel der eigenen Suche nach

Ausgewogenheit wahrzunehmen.

Ein erster Ansatz zum Erfassen seiner Werke, ist die Wirkung von

Kräften. Sie sind die Grundlage von Andre Heers Schaffen. Indem er

physikalische Gesetzmässigkeiten wie beispielsweise das Hebelgesetz

einsetzt, bringt er Bewegung in eine ursprünglich starre Form, es

entsteht eine Dynamik der ständigen Veränderung hin zu einem immer

wieder neu definierten Gleichgewicht. Sein Arbeitsmaterial ist das

Eisen, welches durch seine Veränderbarkeit gleichermassen Symbol

dafür ist, dass sich alles in einem ständigen Prozess der Veränderung

befindet.

Dass die Vision des Künstlers einen Bezug zur Realität hat, ist ein

weiterer wichtiger Aspekt von Andre Heers Werken. Sie ist gewachsen

aus der Erfahrung des Künstlers, die er in der Arbeit mit Jugendlichen

und erwachsenen Arbeitslosen gewonnen hat. Ihre schwierigen

Situationen gehen häufig mit fehlenden Ideen für sich selbst und

persönlichem Stillstand einher. Dem setzt der Künstler eine neue

Perspektive und Bewegung entgegen.

Die Metallplastiken sind die Sprache von Andre Heer, seine Form zu

kommunizieren; diese Art des Ausdrucks liegt ihm näher als das

gesprochene und geschriebene Wort. Zum natürlichen Werkstoff Eisen

fand der gelernte Mechaniker bereits in den frühen 70-er Jahren des

zwanzigsten Jahrhunderts.

In seiner Arbeit mit Eisen sieht der Künstler eine direkte Verbindung

zum Menschen. Mensch und Eisen haben viele Erscheinungsformen.

Sie finden zu einem inneren Gleichgewicht, wenn der ihnen

innewohnende Widerstand, die widerstrebenden Kräfte berücksichtigt

und konstruktiv umgesetzt werden.

Andre Heer will die immense und elementare Bedeutung von Eisen für

die Menschheit aufzeigen. Mit seinen mechanischen Metallplastiken

beschwört er die Zeit der Industrialisierung und Mechanisierung

herauf. Die Anlehnung der Arbeiten an urbane und industrielle Kultur

ist offensichtlich. In einem politischen Zusammenhang zeigt das

Schaffen des Künstlers auf, dass nur das Gleichgewicht aller Kräfte,

gehalten durch einen ordnenden und ausgleichenden Staat das

Auseinanderfallen und den Zusammenbruch verhindert. In diesem Sinne

ist die Kunst Andre Heers Sinnbild einer gerechten Gesellschaftsordnung.

Indem der Künstler seine Werke in landschaftliche Umgebungen einbettet,

weist er auf den natürlichen Ursprung des Werkstoffes Eisen hin und

zeigt damit, dass auch Urbanität, Industrie und Moderne in der Natur

wurzeln. Das Schaffen Andre Heers ist Ausdruck auch dieses Leitmotivs.

 

 

 

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